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ARRIBA ALIANZA #356
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Noch vor drei Wochen hatte alles auf eine weitere Platzierung im grauen Niemandsland zwischen Platz zwei und drei hingedeutet – und dann tätigte Butters etwas, was man gemeinhin als Griff ins Klo bezeichnet. Eigentlich ist sowas Klempnersache, für Butters war es Ehrensache. Und das gleich sechsfach. Ergebnis des kleinen Griffigkeitstests: Der GröTaZ war plötzlich wieder mittendrin statt nur dabei im Meisterrennen. Weiter vorne gab es nur noch DZR, den 25-PS-Trainerboliden mit dem komischen Namen. Domingo, kein schlechter Vorname für einen Sonntagsfahrer. Denn als solcher entpuppte sich DZR kurz darauf und kollidierte in Führung liegend in der vorletzten Kurve der Schlussrunde mit einer roten Laterne – autsch! Die rote Laterne blieb zunächst stark verbeult stehen, wurde ihren österreichischen Wurzeln (gute alte steirische Eiche) somit zwar vorübergehend gerecht, aber nur Sekunden später vom mit Vollgas vorbeiziehenden GröTaZ aus dem offenen Fenster umgesenst. Aus und vorbei, Licht aus! Zumindest das rote. Der blau-weiße Stern hingegen war soeben im Begriff aufzugehen.
Kein Wunder also, dass das Estadio Alejandro Villanueva bis auf den letzten Platz ausverkauft war, als der letzte, alles entscheidende Punkt her musste. Eine Niederlage gegen die drittplatzierten Pfefferminz-Bonbonlutscher mit Resten von Hackfleischbällchen auf den bekleckerten Trikots hätte den Absturz auf Platz drei bedeutet. Der GröTaZ hatte jedoch andere, standesgemäßere, kurzum: genialere Pläne. Er ließ seine Mannschaft einfach mal munter drauf los stürmen, das sogenannte Markertsche |
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0-0-10-System entfaltete seine volle Wirkung – da man glücklicherweise den Münzwurf um den Anstoss gewann. Andernfalls hätte das auch böse ins Auge gehen können.
Tat es aber nicht, denn immerhin 60% der Alianza-Angreifer trafen des Gegners Tor, was das Stadion in einen unglaublichen Rausch versetzte. Die besten (und meisten) Fans des Landes stürmten den blau-weißen Rasen, ließen die Spieler hochleben (einer sitzt immer noch auf dem Mond und wartet auf die Schwerkraft, die ihn eigentlich hätte zurückholen sollen) und bereiteten dem Trainer den Boden für einen Triumphzug sondersgleichen. Auf einem gigantischen Streitwagen aus purem Muchame (getrocknetes Delfinfleisch in dünnen Streifen, Anm. d. Red.) rollte er nach dem Abpfiff über die Prachtstraßen der Hauptstadt, während die Fans die Metropole Lima in ein blau-weißes Fahnenmeer verwandelten.
Zehn Jahre des Wartens auf die Meisterschaft sind vorüber. Zehn Jahre, in denen gezweifelt, gebangt und gehofft wurde. Endlich ist Alianza wieder da, wo der Verein hingehört: Ganz oben. An der Spitze der Fußballwelt.
Wie es nun weitergehen soll, da es nicht mehr weiter nach oben geht? Ganz einfach: Die Angst vor der Operettenliga hat einst eine große Tradition entstehen lassen, der man sich bei Alianza verpflichtet fühlt: Keine Titelverteidigung! Nie, unter keinen Umständen! Der Weg führt bei vollem Bewusstsein, mit voller Absicht und voller Bereitschaft zurück an den Ursprung allen Wartens, ins graue Mittelmaß, auf einen Platz irgendwo zwischen zwei und drei. Und in einen neuen Zyklus blau-weißer Herrlichkeit. |
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25.08.2010 22:38 -
Florian Markert -
Alianza Lima
(0.3 TK)
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