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“Komm endlich hier an!”
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F. kam wie immer pünktlich. Die Empanadas waren noch im Ofen und die Parrilla gerade mal angeheizt. Das Rind hatte ich gerade geschlachtet und ausgenommen und wollte später die Steaks mit dem Ausbeinmesser herausschälen. Mit blutigen Händen stand ich also da, als F. läutete.
“Nimm erst mal ein Glas Mendoza” meinte ich - wissend, was mich an diesem letzten Sommerabend erwartete: F. ergoß sich wie immer in den ewig selben Geschichten über sein Auto und vom Balkan und darüber, was für eine grosse Nummer er dort angeblich mal war. Ich hatte diese Chose schon tausend Mal gehört und langweilte mich.
“Er hat sonst nicht viel” dachte ich, als F. an immer denselben Stellen immer dieselben Witzchen anbrachte und dabei selbst am lautesten lachte. Ich brauchte einen doppelten Mendoza, um das eintönige Geschwafel F.’s zu ertragen, und um ihm nicht die Fresse zu polieren.
Nur als er sich die |
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Empanadas in seinen langsam fett werdenden Leib hineinstopfte, war F. für kurze Zeit gusch. Was für eine angenehme Stille das war. Für einen kurzen Moment war es ein richtig guter Abend.
Doch als ob ihm die Stille unangenehm wäre, begann F. mit der letzten Empanada wieder loszuschwafeln, und mit jedem Glas Mendoza sprach er schneller “BLA BLA BLA…und das grösste Tier mit SM-Banden bin nun mal…” -
“Alter Freund,”, unterbrach ich ihn: "das hier ist Argentinien, KOMM ENDLICH HIER AN !” .
F. setzte einen fragenden, leicht idiotischen Blick auf, was ich damit wohl meinte, und ich wusste: ein Teil von ihm hatte es begriffen, doch ein anderer Teil von ihm würde es niemals verstehen. F. senkte seinen Blick, nahm einen kräftigen Schluck Mendoza, und dann schwafelte er weiter, als gäbe es kein Morgen mehr.
Ich nahm das Ausbeinmesser und entschloss mich, nun das Fleisch vorzubereiten...
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22.09.2010 15:22 -
Bernd W. 4 -
CA Los Andes
(0.3 TK)
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