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Der Mann in der dunklen Ecke...
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(219)Es war kalt geworden. Ein herbstlicher, unfreundlicher Wind blies unter den Mantel, und trotz Schal und dickem Pullover schien die Kälte durch jede freie Ritze durchzudringen. Nasskalt und klamm zogen vereinzelte, graue Gestalten um die Häuser dieser trostlosen Quadratestadt so hoch oben im Norden, bei der zu dieser Jahreszeit der Nebel wie Blei in den Gassen hing. Und hier, im Stadtteil Limingantulli unweit des Industriegebiets und des Flughafens, wo im Halbstunden-Takt das Dröhnen der Sägewerke nur von einem Düsenjet unterbrochen wurde, hier saß er. Halb versteckt in einer dunklen Ecke einer düsteren und verqualmten Hafenspilunke, den Kopf still über sein halbvolles Glas Wodka gebeugt. Der schwach schimmernde Schein der vergilbten Deckenbeleuchtung über dem Tresen reichte nicht bis in die Ecke, so dass er nur schemenhaft zu erkennen war. Ganz allein mit sich und seiner Welt saß er da. Nachdenklich, sprach- und fassungslos über das, was da am Wochenende passiert war. Zusammengekauert mit einem fast schon glasigen Blick, als würde er durch die Tischplatte bis zum Boden schauen wollen...wenn man die anderen in der Kneipe sah, die sich unterhielten, aber dennoch nicht glücklich und zufrieden mit ihrer Welt waren oder danach aussahen, diese grauen |
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Männer mit ihren harten, ausgelaugten und zermürbten Gesichtern, zermürbt von der Welt, der Ungerechtigkeit und dem eigenen Schicksal, die ebenso wie er eine Last von Sorgen und Problemen mit sich herumschleppten…Trotz dieses Anblicks all dieser armen Gestalten musste man dennoch Mitleid mit ihm haben. Mit diesem einsamen Gast in der dunklen Ecke. So derart zurückgezogen konnte man diese einst so aktive und selbsternannte Ikone, die in dieser Stadt so viel erreichen wollte, nie erleben. Ein Gefühl von Fremde beschlich ihn, fremd in seiner eigenen Stadt, fremd in seinem Land, fremd in seiner eigenen Heimat. Warum hatten sich nur alle gegen ihn verschworen? Warum mussten seine Pläne zu wenigstens einer perfect season gerade jetzt auffliegen? Warum dieses ganze Pech, warum zusätzlich zu diesem ohnehin schon quälenden Misserfolg auch noch diese Pein, sich als Preller und Schwindler beschimpfen lassen zu müssen? Warum das alles..? Doch zum Glück war er nicht ganz allein in dieser für ihn so trostlosen Welt. Diesmal ließ der Barkeeper die Flasche auf seinem Tisch stehen, als er sich wieder zurückbegab zum Tresen..auf dem Tisch von dem Mann, der dort in seiner dunklen Ecke saß. Ganz allein, nur mit sich und seinem Glas und seiner Einsamkeit… |
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05.10.2010 18:59 -
Pippo -
Allianssi Vantaa
(0.3 TK)
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