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Melancholie an einem trüben Herbsttag.
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oder, Inventur des Herzens.
Es ist wieder mal Herbst geworden in Schweden, genau wie in Deutschland, in das Peter P. letzte Woche gereist war, um an einem Treffen mit seinen ehemaligen Mitschülern teil zu nehmen. Klassentreffen, ein Wort mit fast hypnotischer Bedeutung, hatte er sich doch wochenlang darauf gefreut und vorbereitet. Endlich, nach 30 Jahren würde er sie wiedersehen, Kerstin, seine Geliebte aus Jugendtagen, die damals so überraschend einen anderen geheiratet hatte und über Nacht in eine weit entfernte fremde Stadt gezogen war. Könnten und würden sie sich noch in die Augen schauen, nach so vielen Jahren des Schweigens? Könnte man den Abend evtl. nutzen um damals verpasstes nachzuholen? Aber auch auf alle anderen Mädels und Jungs von damals, mit denen man einigen Unsinn verzapft hatte, freute sich Peter P. Er erinnerte sich noch genau an die Zaunslatten, die er immer wieder abgebrochen hatte, obwohl sie der Gartenbesitzer stets nach 1-2 Tagen erneuerte. An das geklaute Eis im Tante Emma-Laden, bei dem er natürlich erwischt worden war, und die Mutter es schon eher wusste als man zu Hause war. An die Tanzstunde, den ersten Kuss und den ersten Schnaps. Auch an den danach vollgekotzten Blumenkasten der Lehrerin. All diese Geschichten würden sicher wieder |
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hochgeholt und die Träume von damals, was man werden würde, wenn man groß ist.
Nun ist es Geschichte, dieses heiß ersehnte Klassentreffen, 3 Mitschüler weilten schon nicht mehr unter uns. Einige männliche Klassenkameraden sahen aus, als hätten sie ihren Vater geschickt. Kein weiblicher Mitschüler wollte die Liebesspielchen von damals noch mal aufwärmen. Keiner wollte die alten Träume noch mal aufleben lassen. Die meisten Gespräche drehten sich um die Kinder, den Beruf, das tolle Haus und die Krankheiten, die sie sich mittlerweile eingefangen hatten. Und Kerstin?, sie war gar nicht erst gekommen, da sie Streit mit ihrer ebenfalls anwesenden Zwillingsschwester aus dem Weg gehen wollte. Was sollte Peter P. da, bei den alten Leuten. Vorzeitig verließ er diese Feierlichkeit, packte seine Sachen und fuhr zurück nach Schweden. Jetzt ging er ein bissel spazieren an diesem goldenen Herbsttag und dachte wieder mal über Gott und die Welt nach. Melancholie machte sich breit. Sollte er noch ein wenig den vertanen Chancen nachtrauern oder endlich einen fetten Schlussstrich ziehen unter sein bisheriges Leben? Sollte er was ganz neues, was ganz verrücktes ausprobieren? Vielleicht sollte er Frau Pacult endlich heiraten und aufhören zu träumen.
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08.10.2010 17:17 -
Dr. P. Pacult -
Assyriska Föreningen
(0.3 TK)
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