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ARRIBA ALIANZA #361
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Ein Name geistert derzeit durch die peruanischen Gazetten, der dem Leser eine völlig neue Welt eröffnet. Denn während Liu Xiaobo, der Influenza-Sybtyp A/H1N1, Modern Talking und der Alkalipegmatit-Komplex Illimaussaq bereits eine gewaltige Kennergemeinde hinter sich versammelt hatten, bevor diese Begriffe durch die Presse geschwemmt wurden, haben die meisten Menschen von einem Land namens „Argentinien“ noch nie etwas gehört (das gilt übrigens auch für die „Argentinier“ selbst, wie eine Umfrage ergab). ARRIBA ALIANZA hat natürlich keine Kosten und Mühen gescheut und einen Reporter in diesen weißen Fleck auf der Landkarte entsandt.
Der Argentinier an sich ist ein eher schweigsamer Geselle, die Eigenbezeichnung der Menschen lautet „Gauchos“, was soviel bedeutet wie „die Gräser kauenden“. Zumindest an dieser Stelle herrscht Gewissheit: Der Name kommt von den vielen Rindern, die dort leben. Sie dienen als hauptsächliche, wenn nicht sogar einzige Nahrungsquelle der Gauchos. Und da sich die Rinder nun einmal bevorzugt von Gras ernähren, wird dieses (im übertragenen Sinne) eben auch von den Gauchos selbst verspeist. Diese einseitige Kost hat natürlich ihre Spuren in der argentinischen Gesellschaft hinterlassen. Moderne Städte sucht man hier vergeblich, die wenigen befestigten Orte tragen seltsame Namen wie „Schöne Lüfte“ (ein Hinweis auf Verdauungsstörungen der Erbauer?), „Córdoba“ (der Begriff bezeichnet ein Cordon Bleu, das aber aus leicht verdorbenem Ochsenschwanz hergestellt wird, wie ein Gaucho stolz erklärte) oder „La Plata“ (argentinisch für „Die Platte“, unsere ostdeutschen Leser wissen sicher, wie die dortige Architektur einzuschätzen ist).
Die Sprache der |
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Eingeborenen ist ein weiteres Phänomen. Von Linguisten wird gerne die These vorgebracht, es handele sich um eine Mischung aus Spanisch und Italienisch. Woher diese Eingebung kommt, muss aber in Frage gestellt werden. Schließlich spricht der Durchschnittsargentinier nicht mehr als 23,7 Wörter im Jahr. Eine Schriftsprache existiert überhaupt nicht, zumal keinerlei Schulen existieren. Aus einer so kleinen und undokumentierten Stichprobe linguistische Thesen abzuleiten, erscheint zumindest gewagt.
Doch das schlimmste von allem, was unser Reporter dort erlebte, war der Geruch. Alles, aber auch wirklich alles in diesem Land riecht nach Kuhfladen: Die Häuser, die Straßen, das Wasser, die Luft, sogar der Atem der Menschen. Und nicht zuletzt auch die Fussbälle. Denn Fussball wird dort auch gespielt. Zwar nicht gut, aber doch mit Begeisterung. Da es für internationale Weihen in der Regel nicht reicht, bestreitet die Nationalmannschaft (nennt sich ebenfalls „Gauchos“ ihre Spiele in der Regel gegen die lokalen Rinder-Auswahl¬mannschaften oder hoffnungslos unterlegene Exoten. Zur Information die letzten drei Ergebnisse:
Gauchos gg. Rinderkoppel „Rosario X/23“ 6:0
Gauchos gg. “Kampfstiere Pérez y Hijos” 1:3
Gauchos gg. Neuseeländische Nordwestinsel 14 :1
Im Gespräch mit dem argentinischen Nationaltrainer Marcel Jähnig führte diese die überraschende Pleite gegen die Kampfstiere darauf zurück, dass die eigenen Spieler zuviel Angst gehabt hätten. Zumindest war unser Reporter geneigt, diese Interpretation vorzunehmen. Mehr als „Pérez? Voll große Hörner, ey Kacke!“ war dem Wortführer der Gauchos nicht zu entlocken. Vor diesem armseligen Haufen muss Perus internationaler Elite jedenfalls nicht Bange sein - die WM im nächsten Jahr ist gerettet! |
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12.10.2010 09:44 -
Florian Markert -
Alianza Lima
(0.3 TK)
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