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Ein neuer Wind weht durchs Hillsborough Stadium
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Ganz Sheffield ist heiß auf die neue Saison. Nach einem enttäuschenden 18. Platz im Vorjahr, will man in diesem Jahr neu angreifen in Englands zweithöchster Spielklasse. Für diesen Neuanfang setzt man nicht nur innerhalb der Mannschaft auf frisches Blut. Auch auf der Trainerbank hat sich was getan im beschaulichen Sheffield. Am Samstag stellte der Traditionsclub den neuen Coach Biber vor. Dieser gilt selbst in Fachkreisen noch als unbeschriebenes Blatt und es bleibt abzuwarten ob der Neuling der Herausforderung Sheffield gewachsen ist. Nach seinem Rezept gefragt, lässt sich der umgängliche deutsche Coach ein „Die Jungs werden drauf gehen – von der ersten bis zur letzten Minute – und wenn es sein muss noch darüber hinaus!“ entlocken. Ähnlich konsequent erscheint in diesem Zusammenhang seine Antwort auf die kritische Nachfrage nach dem Experiment eines deutschen Trainers in England: „Mein Verständnis von Fußball und dem dazugehörigen kämpferischem Einsatz hat schon immer mindestens genauso gut auf die Insel gepasst, wie in die Heimat. Hier will der Zuschauer, vielleicht noch mehr als in Deutschland, sehen, dass das Team und jeder Einzelne darin bereit ist was zu investieren, um ein Spiel erfolgreich zu gestalten. Mein Ziel ist es, dass jeder Zuschauer wenn er nach dem Spiel, ob gewonnen – ob verloren, das Stadion verlässt, das Gefühl hat, das die Truppe alles – und ich meine alles gegeben hat! Mehr will ich nicht…na gut…und Shitty zu schlagen wär ganz nett!“ Mit diesen kernigen Aussagen ist der Neuling schon jetzt Publikumsliebling in einer, in letzter Zeit nicht gerade verwöhnten Fußball-Stadt. Doch es bleibt abzuwarten, ob kernige Sprüche die einzige Stärke des Bibers sind oder ob die, unbestritten vorbildliche Mentalität in Verbindung mit fachlicher Kompetenz tatsächlich der Türöffner in eine bessere Zukunft für Sheffield Wednesday sein kann. Andernfalls könnte es |
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schneller als erwartet heißen: "he talk the talk, but can't walk the walk!" und man stände wieder vor dem gleichen Scherbenhaufen.
Doch was hat sich sonst getan im Verein? Die nachweislich nicht wirklich funktionierende Mannschaft wurde in der Saisonvorbereitung nahezu komplett umgekrempelt. Spieler-Altlasten vergangener Tage wurden aussortiert und durch junge Talente aus der Region ersetzt. Dass dies mit einem derzeitigen Jugendwahn in Europas Spitzenliegen zu tun hat, wird von Vereinsseite rigoros bestritten: „Aufgrund der aktuell angespannten finanziellen Situation, sehen wir uns gezwungen diese Schritte einzuleiten und der Trainer geht diesen Weg mit, das wurde vorher abgesprochen. Wir wissen, dass wir damit ein gewisses sportliches Risiko eingehen, aber es gibt genügend Beispiele der jüngeren Geschichte, wo dieser Weg zum langfristigen Erfolg geführt hat.“. Es ist ein offenes Geheimnis, das man sich wünscht aus der Not eine Tugend machen zu können aber das wird man in den nächsten Monaten noch ausgiebig beobachten können. Die Zuschauer jedenfalls freuen sich auf ein junges und hungriges Team, aus Spielern, die der ein oder andere Fan auch vom Supermarkt im eigenen Viertel kennt, so heimatgebunden ist ein Großteil der Truppe. Von Vereinsseite rechnet man sich durch dieses riesige Maß an Identifikation der Mannschaft mit der Region und umgekehrt auch der Zuschauer mit der Mannschaft einen Vorteil aus. „Es gibt durchaus Truppen, die individuell besser besetzt sind als wir, aber die Jungs werden bluten für ihre Region und die Region wird es ihnen zurückzahlen, indem hier jeder Gegner gegen gefühlte zwölf Mann spielt.“
Alles in Allem weht ein neuer Wind durchs Hillsborough Stadium und man darf auch als neutraler Beobachter gespannt sein, wie sich dieses ‚Projekt‘ entwickelt. Als Saisonziel wurde das gesicherte Mittelfeld ausgegeben und sollten alle Mechanismen ineinander greifen, sollte das auch drin sein.
Cheers |
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06.09.2011 02:13 -
Biber -
Sheffield Wednesday
(0.3 TK)
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