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Bolton Asylum - Krankenakte Hansi von Müllerstein – Handschriftlicher Eintrag von Dr. Sewon 07. Oktober 1897
Die tagelang anhaltenden Zustände geistiger Abwesenheit des Patienten Nummer V-32, Hansi von Müllerstein, phasenweise schon von narkoleptischen Zügen begleitet, hat sich seit meiner Rückkehr von unserer Mission zunehmend verändert. Patient wirkt von Tag zu Tag aktiver. Meine Mitarbeiter berichteten davon, dass er anfangs alleine sein Bettlager verlassen hat und stundenlang am Fenster stand, als hielte er nach etwas verlorenem Ausschau. Dies veranlasst mich, neue Untersuchungen in seinem Fall wieder aufzunehmen. Patient V-32 wurde eingeliefert, nachdem er letztes Jahr eine überraschende Erbschaft eines nach Amerika ausgewanderten Verwandten angetreten hatte. Kein Grund, seinen Verstand zu verlieren. Eigentlich. Doch er trug sein neues Vermögen erneut in die Casinos. Nachdem er bereits vor Jahresfrist in Sion einen Großteil seines Vermögens verspielte sah er sich durch diese Erbschaft auf einem neuer Welle des Schicksals reiten. Diesmal geschah es in Monaco. Die gesamte Erbschaft wurde verspielt. Seine Eltern schickten ihn zu uns. Ich unterzog ihn der in diesen Fällen üblichen lobotomischen Behandlung, auf die er zunächst wie andere Patienten mit geistiger Absenz reagierte. Bereits wenige Tage nach der Behandlung trat jedoch Besserung ein, er begann wieder zu kommunizieren. Zunächst lediglich mittels Augenkontakt, später verbal und sogar mit |
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Zeitungsartikeln. Die Behandlung schlug an. Einige Tage nach dem Einzug unseres Feindes Vlamp Meistula in die benachbarte Carfax Abbey jedoch wurde Patient V-32 in seinem Heilungsverlauf zurückgeworfen. Er nah urplötzlich die oben beschriebenen narkoleptischen Verhaltensmuster an, verlor Heimspiele, phantasierte von einem torlosen Spiel, an dem er teilgenommen habe und versank in der Bedeutungslosigkeit des Mittelfeldes. Zwecks unserer Jagd auf Meistula musste ich meine Tätigkeiten hier im Bolton Asylum kurzfristig ruhen lassen. Jetzt, wo ich mich wieder meiner Tätigkeit zuwenden kann, finde ich Patient V-32 in oben beschriebenem unerklärlichem Zustand vor. Das Ausschau halten aus dem Fenster kann nicht die suche nach der verlorenen Erbschaft sein, denn an diese dürfte er sich nach der Lobotomie nicht mehr erinnern. Es muss etwas anderes sein. Im Lichte der neuen Verhaltensmuster sollten wir die früheren Äußerungen des Patienten V-32, dass er nunmehr nicht Hansi sondern Rüdiger von Müllerstein hieße, neu bewerten. Zudem nahm er immer Bezug auf einen gewissen dunklen Grafen. Bislang begriffen wir diese Aussagen als normale Nebenwirkungen des chirurgischen Eingriffes. Doch zunehmend kristallisiert sich heraus, dass der dunkle Graf jener sein könnte, den wir erst kürzlich aus Bolton vertrieben haben. Hat er sich Patient V-32 angenommen? Wartet Rüdiger von Müllerstein auf seine Rückkehr? Und was meint Rüdiger damit, wenn er behauptet, der dunkel Graf habe etwas hier in Bolton gelassen?
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07.10.2011 14:29 -
Archiebald Mor -
Vaasa PS
(0.3 TK)
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