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Kratzen
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Es war ein dunkler Donnerstag, der Regen fiel schon seit Stunden und prasselte ein dumpfes Stakkato auf die Fenster. Es war die ganze Woche noch nicht wirklich hell geworden und auch an diesem Tag schien die Sonne nur missmutig und ohne Willen und so behielten die grauen, ja fast schwarzen Wolken die Oberhand und tauchten das ganze Land in schummeriges, fahles Nicht-Licht.
Es war so grau, dass alle Farbe aus der Natur gesaugt wurde und nur noch verschiedene Schattierungen von Grau überblieben; graues Gras, graue Steine, graue Bäume, graue Menschen. Dazu kam ein kalter Nordwind, der zwar nicht stürmisch, aber doch kräftig genug wehte, in einer absonderlichen Stetigkeit, dass alles Leben gelähmt schien, paralysiert von den sterbenden Elementen.
Auch durch die Ritzen der Fenster und Spalten des alten Gemäuers, in dem ich meine letzten Tage verbrachte, fuhr der Wind und es war so kalt, dass ich im Salon saß und meinen Mantel umgeworfen hatte. Ich kam mir ein wenig lächerlich vor, aber da außer mir keine Seele in dem alten Herrenhaus derer von Dargweg lebte und der alte Kamin schon meinen gesamten Holzvorrat verschlungen hatte und nur noch die letzten Scheite langsam vor sich hinglühten, |
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kam ich nicht umhin, mich so vor den eisigen Fingern des Wetters zu schützen, die unbarmherzig jeden Winkel des Hauses besetzten.
Ein Geräusch lies mich aufschrecken. Es war mittlerweile Abend geworden und ich war wohl eingeschlafen. Der Kamin warf ein letztes Glimmen auf die alten Möbel und erzeugte so tanzende Schatten auf den Wänden. Ich entzündete die Kerze, die neben mir auf dem niedrigen Eichentisch stand. Wieder ertönte das Geräusch, ein Kratzen oder Scharren, das aus den Wänden zu kommen schien. Ein Ast, den der Wind an die Mauern drückte? Oder ein Tier, das irgendwo zwischen dem Herrenhaus und den Ruinen der Stallanlagen herumlief und Schutz suchte? Erneut dieses Kratzen und es schien nicht von Draußen zu kommen, vielmehr aus dem Haus selber, aus den Wänden oder dem Boden. Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich ging langsam und lautlos in Richtung der Tür, immer darauf bedacht, die Flamme der Kerze nicht verlöschen zu lassen, um die Herkunft dieses unheilvollen Geräusches zu ergründen.
Fortsetzung im nächsten Heft. Dann auch, was dass mit Fußball zu tun hat. Und ein Interview mit Lukas Podolski. Abonnieren Sie noch heute! |
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05.03.2012 11:04 -
fubini -
CD O'Higgins
(0.3 TK)
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