|
Kratzen
|
Fortsetzung von letzter Woche
Ich betrat den Flur und dieses unheimliche Rascheln ertönte wieder, aber dieses Mal konnte ich eindeutig erkennen, dass die Töne aus der Küche kamen. Langsam, immer darauf bedacht, die Kerze nicht verlöschen zu lassen, trat ich ein. Das gelegentliche Rascheln und Kratzen war hier ein ständiges Rauschen welches gelegentlich anschwoll und sirenenartig die Frequenz änderte. Und es kam aus dem Kamin.
Der Kamin der Küche, die Feuerstelle über der die früheren Bewohner seit Generationen ihre Speisen zubereiteten, war ein großer, gemauerter Feuerplatz mit Schlot und einer massiven Rückwand, geschwärzt von den Jahrhunderten in denen das Feuer an den Steinen nagte. Und genau aus dieser Mauer voller Ruß und schwarzem Fett kam das Rauschen, Rascheln, Kratzen. Außer diesen unheimlichen Tönen war Stille und ein Gänsehaut begleitete mein Schauern. Ich schaute mich um und entdeckte im Regal am Fenster, durch das die Nacht ihr fahles Licht warf, oder vielmehr das Licht meiner Kerze nach draußen sog, das alte Stemmeisen, mit dem mein Vater damals den Mann erschlug, eine grauenvolle Tragödie, die Unglück über uns alle brachte. Er hat nie wieder darüber gesprochen.
Ich nahm das Stemmeisen und ging zurück zum Kamin. Ein Kamin, groß genug um darin zu stehen. Und um einen Luftzug zu verursachen, der meine Kerze erlöschen lies. |
|
|
Völlige Dunkelheit umfing mich, die Kälte sickerte durch die Poren meiner Haut und ich bekam ein Gefühl der Panik. Ich stand völlig still, gelähmt vor Angst, und wagte kaum zu atmen. Wieder das Anschwellen des Kratzens. Und nun vermeinte ich durch die Ritzen der schwarzen Wand einen Lichtschein zu erkennen, ein fernes Leuchten, schwach und unstet. Oder spielten meine panikgeschwängerten Sinne mir einen Streich und die Wand war schwarz wie immer? Es gab nur einen Weg, das herauszufinden.
Der erste Schlag mit dem Stemmeisen löste einige Mörtelsplitter von der Wand. Von den Wänden des Kamins widerhallend prasselten unheimliche Echos auf mich ein. Schweiß strömte aus meinem Körper. Angstschweiß. Aber ich setze das Stemmeisen erneut an und nach wenigen weiteren Schlägen konnte ich erst einen, dann mehrere der alten, mit der Patina von Jahrhunderten toten Fettes überzogenen Steine aus der Mauer entfernen und legte einen Gang frei, etwas mehr als vier Fuß hoch und leicht abwärts gehend. Wie tief der Gang in das Haus hineinragte, konnte ich nicht erkennen, aber jetzt war ich mir sicher, dass eine schwacher Lichtschein aus dem Gang schein – und das Rascheln, Kratzen und Rauschen kam eindeutig aus diesem schwarzen Schlund.
Ich griff das Stemmeisen fester und wagte mich vor in die Alles verschlingende Dunkelheit.
Okay, immer noch nichts mit Fußball oder Lukas Podolski. Aber bleiben Sie dran! |
|
14.03.2012 09:38 -
fubini -
CD O'Higgins
(0.3 TK)
|
|