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Kratzen
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Fortsetzung von letzter Woche
Der Schein im Gang wurde immer stärker je weiter ich mich vorwagte. Auch schwoll das Rauschen und Kratzen weiter an. Die Geräusche hallten an den grob behauenen Wänden wider und verursachten vielfältige Echos, so dass eine Kakophonie ertönte, die mir erneut Schauer über den Rücken trieb. Ich hatte kein Ahnung, was mich hinter den nächsten Kurven und Ecken erwartete und Panik machte sich in meinen Adern breit. Aber ich konnte nicht zurück, ich musste ergründen, welche namenlosen Schrecken sich unter meinem Haus befanden.
Ich trat um die nächste Kurve des Ganges und konnte nichts mehr erkennen. Grelles Licht schmerzte in meinen Augen und der Lärm wurde fast unerträglich. Kein Kratzen und Rauschen, ein Schreien und Toben aus unzähligen Kehlen, kein friedliches Singen, sondern ein kämpferisches Siegesgeheul einer unglaublichen Menschenmenge musste die Quelle sein und allein die dicken Wände des auf dem Hügel trohnenden Herrenhauses dämpften den unglaublichen Lärm zu einem leisen Rauschen. Meine Augen hatten sich an das gleißende Licht gewöhnt und ich machte einige Schritte vorwärts und durchschritt den Torbogen, der sich |
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auf eine große Fläche öffnete. Und dann stand ich auf einem dunklen, grünen von weißen Strichen durchzogenen Platz um mich herum fünzig- oder hundetausend Menschen und alle schrien gleichzeitig. Ich stand auf einem Fußballplatz – was heißt Fußballplatz, ein Fußballtempel und einhunderttausend Gläubige beteten auf ihre Weise. Und ich stand dort, vor mit auf dem Rasen liefen Ferenc Puskas und Fritz Walter, George Best, Alfredo di Stefano, Adolfo Pedernera, Félix Loustau, Juan Carlos Muñoz, Ángel Labruna, Francisco Gento, Hector Rial, Raymond Kopa und José Emilio Santamaría – und ich. Und ich erkannte Lukas Podolski, allerdings nur auf der Bank. Neben Jupp Derwall, der wohl der Trainer war. Mir wurde schwarz vor den Augen, ich hatte den Himmel gesehen.
Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf einer kleinen Pritsche. Ich bin immer noch dort. Der Blick aus dem Fenster ist durch Gitterstäbe beschränkt. Es ist sehr still. Aber wenn ich genau hinhöre, abends, wenn die Sonne hinter den Hügel sinkt, wenn ich die Ohren spitze und mich ganz auf das Hören konzentriere, dann kann ich immer noch das Rauschen hören, das ferne Rauschen und leise Kratzen. |
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19.03.2012 13:22 -
fubini -
CD O'Higgins
(0.3 TK)
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