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Zuggespräche in Peru, Teil 6
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(Ein Käferfahrer, ein Mann mit fettigen Haaren und ein Medizinstudent stecken im Hauptbahnhof von Lima in einem Regionalzug fest, der unbestimmte Zeit Verspätung hat.)
Käferfahrer: „Meine Güte, das ist ja eine Quälerei. Ist das hier immer so? Da hätte ich doch lieber gleich meinen alten Volkswagen nehmen können.“
Medizinstudent: „Vielleicht hat sich jemand vor den Zug geworfen. Dann könnte ich zumindest meine anatomischen Kenntnisse ein wenig verfeinern.“
Mann mit fettigen Haaren: „Sie sind alles nur Gefangene einer hektischen Zeit. Genießen Sie doch die Ruhe, die Möglichkeit zur Entschleunigung, die friedvolle Stille…“
Käferfahrer: „… die quatschenden Mitfahrer, die ausgefallene Klimaanlage, das Surren der Stechmücken. Hören Sie mal, ich bin seit kurzem Coach eines sehr bekannten Erstligisten, da hat man für derartige Verzögerungen kein Verständnis. Zeit ist Training ist Erfolg |
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ist Geld. Kapiert?“
Medizinstudent: „Was machen Sie eigentlich hier? Hatten Sie nicht nur noch ein Ticket für die zweite Klasse gelöst?“
Mann mit fettigen Haaren: „Ich… äh, nein, ich fahre doch mit der Autoren- und Kolumnistenkarte für bayrisch-kolumbianische Minderheiten. Da bekommt man im Supersparpaket sogar auf langen Fahrten ein Lagerbier serviert und zudem diese schöne Schirmmütze gestellt.“
Käferfahrer: „Von Alianza Lima? Kennen Sie noch das „Trio mit vier Fäusten“? Sollen wir hier noch eine neue Folge der beliebten Vorabendserie drehen?“
Mann mit fettigen Haaren: „Am Pazifik sind wir doch alle Pazifisten. Wenn wir am Indischen Ozean wären, dann wären wir vielleicht Indios. Oder am Mittelmeer mittelmäßig … Was haben Sie denn? Wieso gehen Sie jetzt ins Nachbarabteil? Vorsicht, dort sitzt ein grimmiger Norweger, dem ich eben aus Versehen auf die Sprungskier getreten bin…“
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05.07.2012 21:51 -
Ole Gunnar Fidjestöl -
Colegio Nacional de Iquitos
(0.3 TK)
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