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Ein Brief an Kim Jong Un
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Ganz Japan ist derzeit besorgt, da die Kriegsrhetorik und die Provokationen Nordkoreas weiter zunehmen. Der US-amerikanische Außenminister John Kerry reiste vergangenes Wochenende nach Südkorea, China und Japan, um einerseits die Unterstützung der USA im Falle eines Angriffs auf Südkorea oder Japan zu unterstreichen, andererseits aber auch um über China Einfluss auf den nordkoreanischen Machthaber zu nehmen. Auch wenn die Festlichkeiten zum 101. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il Sung, des Großvaters von Kim Jong Un, ohne aggressorische Machtdemonstrationen auskamen, ist von Entspannung noch weit entfernt. Als Deutscher in Japan macht sich auch Christian J. Schmidt, Trainer von Kataller Toyama, Gedanken um diesen Konflikt. Der Geburtstagsanruf bei seiner Schwester brachte ihn auf die Idee, nachfolgenden öffentlichen Brief zu verfassen:
Sehr geehrter Herr Kim,
aufgrund der deutschen Vergangenheit liegt mir als deutscher Fussballtrainer in Japan das friedliche und nachbarschaftliche Miteinander der Länder sehr am Herzen. Doch leider berichtet die Presse nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland von der immer enger werdenden Spirale der verbalen Provokationen in der Nordkorea-Krise. Was deren Ziel ist, darüber spekuliert der Westen. Geht es um die innerpolitische Festigung Ihrer Macht, um außenpolitische Anerkennung Ihrer Person oder fühlt sich Nordkorea wirklich bedroht? Eines kann es sicherlich nicht sein: ein Spiel. Wenn es für Sie als Führer Nordkoreas ein solches ist, dann spielen Sie gerade mit dem falschen Spielzeug.
Auf der Geburtstagsfeier meiner Schwester haben meine Neffen im Keller alte Bundeswehr-Helme gefunden. Das brachte sie auf die Idee, sich als Soldaten zu verkleiden: Die |
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Helme wurden mit Efeu besteckt, und Kricket-Schläger dienten als Gewehre. Doch sie haben nicht gegeneinander gespielt, sondern miteinander. Sie haben sich in die Sträucher geschlagen, sind ums Haus geschlichen und über den Boden gerobbt, nur um die Erwachsenen zu beobachten. Und Ihre Tarnung war im Dunkeln perfekt.
Da auch Sie offenbar Gefallen daran haben, Soldat und Befehlshaber zu sein, hätten Sie sicherlich gut mitspielen und parallel ein Auge auf die Kinder werfen können. Vielleicht haben Sie auch einfach den Beruf verfehlt. Auch in Nordkorea gibt es sicher viele Jungen, die sich gerne als Soldaten verkleiden und ins Manöver ziehen. Ihre Erfahrung in Sachen Militärführung wird sicherlich eine Bereicherung des Spielens sein. Während Sie sich um die Betreuung der Kinder kümmern, können die Eltern und Großeltern der Kinder währendessen den Lebensunterhalt verdienen. Sie müssten lediglich eune Umschulung als Erzieher machen. Der US-amerikanische Außenminister hat in Aussicht gestellt, Ihre Ausbildung als Erzieher sowie mehrere Kindergärten und Schulen in Nordkorea zu finanzieren sowie Ihr Gehalt für die ersten 10 Jahre zu übernehmen, sollten Sie die Macht abgeben und Erzieher werden.
Sehr geehrter Herr Kim, wenn Sie wirklich gerne Soldat sein und Krieg spielen wollen, dann bitte nicht mit echten Waffen und schon gar nicht mit Atomwaffen. Verwirklichen Sie sich als Erzieher, beenden Sie die Provokationen und helfen Sie Ihrem Land voranzukommen. Denn in der Bildung der Kinder liegt die Zukunft Nordkoreas. Sie würden daher den Kindern, aber auch der Welt einen riesen Gefallen tun, indem Sie das Umschulungsangebot annehmen.
Ihr Christian J. Schmidt
Trainer von Kataller Toyama |
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15.04.2013 22:23 -
Christian J. Schmidt -
Kataller Toyama
(0.3 TK)
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