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O'Higgins oder der letzte Grund
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Flimmernde Hitzeperlen hängen an den Wimpern der müden Augen, die sich gegen das übermässige Licht des grellblauen Himmels wehren. Eine Sonne, fast schwarz vor Helligkeit, steht bewegungslos über dem manikürten Ballspielplatz des CDOH und lacht manisch über die verzweifelten Bewässerungsversuche des Platzwartes. In der Ferne verspricht ein pazifischer Ozean lindernde Kühle, doch die kämpferischen Winde, die sich von dort auf die Reise machen, werden zerrieben zwischen den Schichten erbarmungsloser Hitze, die sich vor den Anden staut, so dass am Ende nur mehr warme Luft im Kessel des Stadions staut.
Braungebrannte, ja verbrannte Körper bewegen sich lust- und fast lautlos zwischen weiß-grellorangen Hütchen eine Ordnung suchend, die der Übungsleiter in langen, fruchtlosen Diskussionen bei den allabendlichen Theoriestunden, die ohne Fröhlichkeit und Humor, mit stillem, gedrückten Phlegma ertrugen wurden, zu vermitteln versuchte. Zwecklosigkeit erkennend, hat sich der Trainer, der vorwärtsdenkende und rückgewandte fubini, auf das besonnen, was die Trennlinie zwischen Fanatismus und Fatalismus definiert: den lesenden Klosterschüler.
Der lesende Klosterschüler. Einst von Ernst Barlach aus einem Klumpen leblosen Holzes |
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hervorgeklöppelt, Protagonist in Anderschs "Sansibar oder der Letzte Grund", ja, unausgesproche Leitfigur, bildet eines der philosophischen Grundargumente, die den Übungsleiter auf seinem Stuhl am Rande der Wüste, im Estadio El Teniente, sitzen bleiben lassen. Zugegeben, die Wüste ist der Rio Cachapoal.
Wie dem auch sei, der Klosterschüler liest. Ernst und mit höggschder Konzentration schaue er in das vor ihm liegende Buch. Und doch ist er nicht gefangen, nicht fundamentalisiert, nicht korrumpiert durch das Buch und seinen Inhalt. Ebensowenig, wie ihn das Buchfesselt, schreckt es ihn. Er will nicht fliehen, sondern ist dem Inhalt zugewandt. Er weiß um den Inhalt des Buches. Und doch: wenn er aufsteht und geht und das Buch hinter sich lässt, ist man nicht überrascht.
Und hier schliesst sich der Kreis zu fubini. Der Kicker ist mit all seinem Elan, Wissen und Willen bei der Sache, den Klub, den CDOH nach vorne zu bringen. Aber wenn er aufsteht und geht, wenn er irgendwann sagt, er brauche neue Aufgaben, dann ist man nicht überrascht. Dann sagt man: ja, das ist schlüssig, stimmig, gut.
In Rancagua, dem Heimatort des CDOH, wäre man aber hocherfreut, wenn man noch einige Saisons das Motto des fulminant bekloppten fubinis hörte: Ich hau euch alle weg! |
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04.08.2014 14:22 -
fubini -
CD O'Higgins
(0.3 TK)
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