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Alpenglück
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Die Bühne ist dunkel. Man erkennt im Hintergrund verschneite Berggipfel, einige Kühe sind schemenhaft zu erkennen. Eine kleine Hütte steht weiter hinten. Von links tritt ein Mann auf, gekleidet in ein rotes Fußballtrikot, eine Lederhose und Zehentrennersandalen, auf dem Rücken einen Rücksack. Gleichzeitig wird es hell.
Helmut: Na, da kann man aber froh sein, dass es wenigstens in der Schweiz noch Menschen gibt, die offen reden können...
Er setzt sich auf den Boden und nimmt eine Dose Bier aus dem Rücksack, öffnet diese und nimtm einen großen Schluck. Von rechts tritt Heidi auf.Enges Dirndl mit hübscher AUssicht auf wohlgeformte Glocken, kurzer Rock.
Heidi: (zu sich) Ein Mann! Und er trinkt! Genau das, was ich schon immer wollte.
(zu Helmut) Bribbelbrabbelbrubbelgerölllabberrararaarra
Helmut schaut verwirrt hoch und entdeckt Heide.
Helmut: Ja sowas! Ein Mädel. Ja setzt Dich zu mir, du fesches Ding.
Heide nimmt neben Helmut Platz. Dieser bietet ihr die Dose an und sie nimmt einen großen Schluck.
Heide: Was trrrreibt Dich zu uns?
Helmut: Ich war der Zivilisation überdrüssig. Ich musste zurück zum Ursprünglichen. In den letzten Wochen und Monaten lief es nicht so gut.
Heide: Erzähl...
Helmut: Ich bin Trainer von Beruf. Fußballtrainer. Und ich bin bei einer Mannschaft in Chile angestellt. Und irgendwie habe ich mich zwischen Bällen und Abseits, zwischen Flanke und Kopfball verloren. Der Sinn meiner Tätigkeit war mir nicht mehr klar. Man würde vielleicht burn-out diagnostizieren, aber ich glaube, es geht in eine völlig falsche Richtung. Schau, es ist doch immer so, dass man sich Woche für Woche, Spieltag für Spieltag, bemüht, die Mannschaft so vorzubereiten, dass sie ihr Bestes gibt und am Schluß auch etwas brauchbares herauskommt. Nebenher prostituiert man sich noch ...
Heidi: Das kenn |
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ich.
Helmut: ... mit einigen Zeitungsartikeln damit man am Ende auch genug Saft hat, damit man nicht kurz vor Ende der Saison merkt, dass es zum Tore schiessen nicht mehr reicht. Dazu kommt, dass man es ja schon dreimal geschafft hat...
Heidi: (aufmerksam) Oha!
Helmut: ... und die Zweifel da sind, ob man noch ein viertes Mal ...
Heidi: (sehr aufmerksam) Uh-oh...
Helmut: ... wie dem auch sei, eigentlich sollten dreimal ja genug sein, aber der eigene Anspruch und auch die Erwartungshaltung bei den Anderen. Ich meine, wenn man es schon dreimal geschafft hat, dann will man auch das vierta Mal noch schaffen. Das ist ja auch irgendwie ein Glücksgefühl, an das man sich gewöhnt hat.
Heidi: (unruhig mit den Schenkeln scharrend) Auf alle Fälle, da sollte man dran bleiben...
Helmut: Genau. Es sieht ja auch ganz gut aus, das will ich gar nicht abstreiten, aber es ist halt kein Selbstläufer. Man muss dafür auch etwas tun. Und da setzt im Moment natürlich dann eine gewisse Müdigkeit ein.
Heidi: Genug. Ich hab alles gehört, was ich wissen muss. Lass Dir gesagt sein, dass Du auf dem richtigen Weg bist, wenn Du das vierte Mal auch noch erreichen willst. Du machst ja nicht nur Dir eine Freude, sondern auch ...ähm... naja, vielleicht mir. Wie auch immer. Bleib dabei, mit vier Mal hintereinander wirst DU derjenige sein, an den man sich immer wieder mit Freude und einem seeligen Lächeln auf den Lippen erinnern wird. Egal, wer danach kommt. Du bist der, der viermal konnte. Hintereinander. Manchen wären ja zwei Mal schon einiges wert...Also, auf und weiter. Mach die vier Mal. Und freu Dich an der Reaktion Deines Gegenüber, wenn Du das vierte Mal geschafft hast, auch wenn es vielleicht weh tut.
Helmut: Okay, wenn es Dir so viel Freude macht, dann versuch ichs halt.
Die Bühne wird dunkel. nach kurzer Zeit geht in der kleinen Hütte hinten das Licht an und sie fängt ein wenig an zu wackeln. Ich hau euch alle weg. |
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27.08.2014 13:19 -
fubini -
CD O'Higgins
(0.3 TK)
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